![]() |
|
|||||||||||
|
1. Was ist Tanztherapie?Ungeachtet der Tatsache, daß es nicht „die" Tanztherapie gibt, lassen sich in einer groben Übersicht folgende Merkmale anfuhren: Die „American Dance Therapy Association" (ADTA), die 1965 gegründet wurde, bezeichnet Tanztherapie als die psychotherapeutische Verwendung von Bewegung als Prozeß, der die emotionale and physische Integration des Individuums zum Ziel hat. Ausgehend von der Körper-Geist-Seele-Einheit des Menschen versucht die Tanztherapie, einen Heilungsprozeß über die Bewegung in Gang zu setzen. Grundlegende Bewegungselemente des Tanzes werden genutzt - frei von technischen Vorschriften und festgelegten tänzerischen Formen -, um zu einer Integration von Leib and Seele, von Gefühl und Körperlichkeit zu gelangen. Ausgangs- and Ansatzpunkt ist das aktuelle Bewegungsmuster des Patienten. Die Bewegungen des Patienten werden vom Therapeuten aufgegriffen, übernommen, mit dem Ziel der Kommunikation durch Bewegung. Ziel ist die authentische, selbstbestimmte Bewegung. Auf diese Weise können bisher verschüttete oder unterdrückte Konflikte und gefühlsmäßige Stimmungen freiwerden, zur Darstellung gelangen and integriert werden. Über das Medium der Bewegung kann der Patient sich ganzheitlich erfahren and ein neues Selbstvertrauen erlangen').
Entstehung der Tanztherapie, Wesen and Ursprung des Tanzes (Tanz der Naturvölker)Wegbereitend fur die Entwicklung der Tanztherapie war die Entwicklung des Tanzes Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, als Jsadora Duncan auf geradezu revolutionäre Weise die erstarrten, festgelegten Formen des klassischen Balletts ablöste durch neue Formen tänzerischen Ausdrucks. Ihr Vorbild waren Bewegungen der Natur wie etwa Wind und Wellen und instinktive Bewegungen von Tieren and Kindern. In Deutschland war es Mary Wigman, die den Ausdruckstanz berühmt machte, und in Amerika schuf vor allem Martha Graham den „modern dance". Diese Entwicklungen führten zu einer größeren Freiheit des Ausdrucks. Der tanztherapeutische Ansatz hat sich außerdem weiterentwickelt aus der Rhythmusbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, deren Hauptvertreter aus den Bereichen der Gymnastik, der Rhythmik, der Schauspielkunst and des Tanzes kamen. Folgende Tänzerinnen markierten den Beginn der Tanztherapie in Amerika: Trudi Schoop und Mary Whitehouse an der Westküste , Marian Chace und Lilyan Espenak an der Ostküste. Eine weitere Quelle fur die Entstehung der Tanztherapie war die Wiederbesinnung auf die uralte, heilende Kraft des Tanzes. Der Tanz ist “so alt wie der Mensch, so alt wie sein Verlangen, sich mitzuteilen, seinen Freuden und Sorgen Ausdruck zu verleihen mit dem, was ihm unmittelbar zur Verfügung steht - mit seinem Körper"'. Die Sprache der Gebärden, des Tanzes ist weit älter als die Sprache selbst. Darum wurden in frühgeschichtlichen Zeiten selbst Staatsakte and religiöse Zeremonien tänzerisch ausgedrückt, weil die entsprechenden Worte noch nicht existierten'). Sogar schon auf vormenschlicher Stufe kann man „Tänze höherer Tiere" beobachten. Tanz der NaturvölkerUm die Entwicklung der Tanztherapie and die Phänomene des Tanzgeschehens besser verstehen zu können, möchte ich die Tänze heutiger primitiver Völker - primitiv hier verstanden als ursprünglich, urtümlich -, deren kulturelle Entwicklung noch nicht sehr viel höher steht als die der Ursprungsbevölkerung von vor Tausenden von Jahren, näher beleuchten. Bei den Naturvölkern ist Tanz stets ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens. Es gibt kein Ereignis, bei dem nicht getanzt wird. Die mexikanischen Tarahumara-Indianer hatten sogar für Tanz und Arbeit ein and dasselbe Wort. Der Tanz begleitet Hochzeit, Geburt und Tod, eröffnet den Krieg und die Jagd, beschwört böse Geister and Naturgewalten und wird bei der Heilung von Kranken eingesetzt..: Mehr Information:
HaltungDer Körper mit einem
Standpunkt Es ist bezeichnend, wie wir unseren Körper "herumtragen", wie wir auf dieser Erde stehen. Idealerweise wird die Art, wie wir uns halten, Bejahung unseres Wesens ausdrücken, sie realisiert eine funktionelle Haltung, eine neutrale, wache Stellung, aus der heraus wir reagieren und handeln. Es ist ein anpassungsfähiger, zu Wahl and Entscheidung bereiter Körper, ein Körper mit einem Standpunkt. Ist die Haltung eines Menschen aufrecht, gebeugt, verkrümmt? Haftet der Körper am Boden oder schwebt er in den Wolken? Kann er auf seinen eigenen Beinen stehen? Muss er sich anlehnen? Fühlt er sich als ein Ganzes oder empfindet er sich in Stücken? Wirkt er unzusammenhängend? Welche Teile seines Selbst verbirgt er? Welche stellt er zur Schau? Der ideale Körper steht aufrecht, vom Scheitel bis zur Sohle eine Senkrechte bildend. Die einzelnen Teile ordnen sich der Gesamtstruktur ein, die biegsame Wirbelsäule verleiht jeder Stellung Beweglichkeit, Unterstützung und Gleichgewicht. Das Gewicht verteilt sich dem Schwerpunkt entsprechend, ohne auf irgendeinen Teil Druck auszuüben. Die inneren Organe - der Kreislauf, die Atmung, die Stimme - erfüllen ungehemmt und frei ihre Funktionen. Eine solche Haltung ist mühelos. Keine Energie wird unnötig verschwendet. In den Stunden, die wir der Haltung widmen, benutze ich die typischen, für diesen Zweck von Tänzern and Gymnasten entworfenen Übungen. Wir arbeiten am Boden, an der Wand, an der Stange, vor dem Spiegel, zu zweit, in der Gruppe, mit oder ohne Musik, mit unserer eigenen Stimme oder stumm. Es gibt viele Möglichkeiten, an der aufrechten Haltung zu arbeiten, wobei der Übende erfahren kann, dass die innere Haltung sich in seiner äusseren Haltung offenbart. Ich werde nicht versuchen, die Körper meiner Patienten zuallererst in harmonische Gradheit zu zwingen. Die Mehrzahl von ihnen meistert mit unerschöpflicher Erfindungsgabe die merkwürdigsten, seltsamsten, unfunktionellsten Stellungen. So fange ich dort an, wo sie stehen: mit der "schlechtesten Gangart". Wir werfen uns in alle möglichen recht übertriebenen Haltungen und Posen. Wir spazieren gravitätisch durch den Raum, gehen spreizfüssig, O-beinig oder X-beinig, wir watscheln und wippen and trippeln. Wir ziehen das Kreuz ein and strecken den Bauch heraus .... Wir zeigen einander verschiedene Stellungen, an denen wir uns orientieren können. Ich ahme ihren, sie ahmen meinen Körper und den der anderen nach: Die Ärzte in der Klinik, die Verwandten zu Hause, Tag- und Nachtschwestern - alle kommen sie an die Reihe, alle werden unter die Lupe genommen. Oder ich stelle mich in einer schrecklich verkrampften, verzerrten Haltung vor meine Klasse and bitte jemanden, meinen Körper in Ordnung zu bringen, meine Haltung zu korrigieren. Ein Mutiger tritt vor. Er betrachtet kritisch meine grimassenhafte, bizarre Pose and fängt an meine Schultern herunter zu drücken, meine krummen Beine gerade-, den Oberkörper aufzustellen, das Becken zurück zu schieben, den Kopf... die Kniee ... - Ich mache es ihm nicht leicht, ich bleibe nur einen Moment in der korrigierten Stellung, um sofort in eine andere lustige Verzerrung zu wechseln. Bevor er jedoch verzweifelt, kommen fast immer andere Patienten meinem "Lehrer" zu Hilfe. Sie versuchen, mich nun vereint in eine bessere Form zu zwingen, indem sie an mir herumzerren, mich zurechtkneten, mich rütteln und drücken. Schliesslich gebe ich nach and stehe nach und nach so harmonisch da, wie ich nur kann.
|