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Literarisierung: Lernprozesse initieren
Es handelt sich beim Lesen (informationsverarbeitender
Prozeß und Schreiben (sprachanalytische Tätigkeit) um komplexe Vorgänge, bei
denen sich Mündlichkeit und Schriftlichkeit eines Schiilers gegenseitig
bedingen. Einige Eltern sind der Ansicht, die Arbeit mit dem Alphabet beginne
in der Schule und Lesen und Schreiben sei vor allem die Beschäftigung damit.
Lesen und Schreiben ist aber mehr als dies. Literarisierung beginnt lange vor
der Schule. Der Umgang mit Büchern, mit Stift and Papier wird im Unterricht
fortgesetzt und intensiviert, für die allermeisten Kinder jedenfalls ist das
so. Wer mit sechs Jahren noch keinen Begriff hat von der Schrift, wer noch
keinen einzigen Buchstaben kennt, obwohl die Umwelt voll davon ist, muß in der
Schule in kurzer Zeit "kognitive Fähigkeiten" entwickeln, die
auszubilden die anderen zuvor lange Zeit hatten. Die Schule hat die Aufgabe,
Lernprozesse zu initieren, die dem Schüler erlauben, seine eigene Schrift - and
Lesekultur zu erwerben. Es gilt, darauf aufinerksam zu machen, was
Literarisierung im umfassenden Sinne meint: *Zeichenhaftes wahrnehmen (beim Weg zur Schule, bei der
Orientierung im TV) • Vorgang des
Notierens und der Informationsaufnahme bei anderen und Aufmerksamkeit auf die
Wirkung dieser Tätigkeiten • * Zuhören
beim Vorlesen * Kenntnis literarischer Inhalte und Adaptation von
Erzählstrukturen (z.B. beim Anhören von Kassetten and anderen Tonträgern, beim
Ansehen von Videos und Filmen und nicht zuletzt beim Spielen mit Computerchips) • die
Erfahrung einer Beziehung zwischen erlebter and dargestellter Welt (etwas
artikulieren zu können, etwas gestaltet vorzufinden) *die Erfahrung, etwas selbst zu Papier gebracht zu haben,
das persönlich wichtig ist and das andere lesen können) • im Lesen
Neues erfahren oder Vertrautes bestätigt zu finden • die Möglichkeit, sich mit Schrift (lesend oder schreibend)
aus der aktuellen Situation zuriickziehen zu können, also die Möglichkeit,
willentlich Distanz herstellen zu können * Bestätigung zu erfahren von Gleichaltrigen oder Eltern,
wenn man die erwartete Anforderung der Schule erfüllen kann Literarisierung in diesem Sinne verstanden, knüpft an die
Alltagserfahrungen der Schiiler an und eröffnet neue Horizonte zum
gegenseitigem Verständnis zwischen Schülern and Lehrern. mehr information: Eine Fallstudie Schriftliche Hausarbeit vorgelegt im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Primarstufe von Bettina Stanetzky
Seminar für Psychologie Schriftspracherwerb: "Lesen durch Schreiben"In unserer zunehmend bilderorientierten Welt tritt die
Schrift, besonders das Schreiben als kreativer Prozeß, immer mehr zuriick.
Schreibunlust ersetzt die Freude des schriftlichen Kommunizierens, das einst
einen festen Bestandteil innerhalb der Lebensgestaltung bildete (vgl. B.
Sanders 1995). Unbestritten ist jedoch, daß beim Erwerb der Lesefähigeiten der
eigenaktive Prozeß der "Textmitgestaltung" entscheidende Vorteile,
besonders bei der Motivation bietet. "Nichts lernt ein Kind so leicht lesen
wie den selbstverfaßten Text. Wörter, die ihm wichtig sind, prägt es sich,
selbst wenn sie schwierig sind, leichter ein, als einfache, aber ihm
gleichgültige" (M.Bergk 1994, S. 11). Ein Lese- und Schreiblehrgang, der die Akzente in diesem
Sinne setzt, wurde von W. Reichen (1988) ausgearbeitet. Seinen Lehrgang, den er
mit einem emanzipatorischen Konzept verknüpft, möchte ich im folgenden
vorstellen. "Lesen durch Schreiben" ist ein
unterrichtsmethodisches Prinzip und zugleich ein schulpädagogisches Konzept
fiir den Anfangsunterricht. Im lautgetreuen Verschriften eigener Wörter und
Texte sieht W. Reichen den Königsweg zur Schrift. Er eröffnet Kindern
frühzeitig die Einsicht in den Lautbezug der Schrift. "Freies
Schreiben" bedeutet in dieser Hinsicht: Kinder schreiben ihre ersten
Wörter ohne die Anforderungen der Orthographie erfüllen zu müssen. Sie lernen
mit Hilfe einer Buchstabentabelle selbstgesteuert zu schreiben. Es bleibt den
Kindem überlassen, was sie schreiben, und wieviel Zeit sie dafür benötigen. |